Ratten als Krankheitsüberträger – die unterschätzte Gefahr
Ratten (Rattus norvegicus) sind einer der bedeutendsten tierischen Krankheitsüberträger weltweit. Sie beherbergen zahlreiche Erreger – Bakterien, Viren und Parasiten – die für Menschen gefährlich oder sogar tödlich sein können. Dabei muss kein direkter Kontakt mit der Ratte bestehen: Allein das Einatmen von aufgewirbeltem Staub aus kontaminierten Bereichen kann ausreichen.
Leptospirose – die häufigste Rattenkrankheit in Deutschland
Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung, die durch Leptospira-Bakterien verursacht wird. Ratten sind ein bedeutendes Reservoir dieser Bakterien und scheiden sie mit dem Urin aus – oft lebenslang, ohne selbst zu erkranken.
Übertragungsweg
Die Infektion erfolgt durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser, Boden oder Erde – besonders häufig durch Hautwunden oder über Schleimhäute. Überschwemmte Keller, verschmutztes Gartenerde-Substrat und verschmutzte Gewässer sind typische Infektionsquellen. Besonders gefährdet: Gärtner, Landwirte, Kanalarbeiter und Tierhalter.
Symptome
Die Erkrankung beginnt 2–30 Tage nach der Infektion mit grippeähnlichen Symptomen: hohes Fieber, schwere Muskelschmerzen (besonders in den Waden), Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. In schweren Fällen (Weil-Krankheit) kann es zu Leber- und Nierenversagen kommen – das Sterblichkeitsrisiko beträgt dann bis zu 10 %.
Hantavirus – Übertragung ohne Tierkontakt
Hantaviren werden hauptsächlich von Rötelmäusen übertragen, aber auch Wanderratten können als Wirte fungieren. Das Besondere: Eine Infektion ist ohne direkten Kontakt mit dem Tier möglich.
Übertragungsweg
Die Übertragung erfolgt durch Einatmen von Aerosolen aus Kot, Urin oder Speichel infizierter Nagetiere – zum Beispiel beim Kehren oder Reinigen von Kellern, Schuppen und Garagen, in denen Ratten gelebt haben. Besondere Vorsicht ist in der Zeit von April bis Oktober geboten, wenn Hantavirus-Ausbrüche in Deutschland häufiger auftreten.
Symptome
Hantavirus-Infektionen beginnen mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Im weiteren Verlauf kann es zu Nierenfunktionsstörungen (hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom, HFRS) kommen. Bei schweren Fällen ist eine Dialyse notwendig.
Salmonellen und weitere Lebensmittelinfektionen
Ratten scheiden Salmonellen und andere Darmbakterien mit dem Kot aus. Wenn Ratten über Lebensmittel, Arbeitsflächen oder Essgeschirr laufen, können sie diese kontaminieren. Salmonellosen verursachen Durchfall, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Fieber – für Säuglinge, ältere Menschen und immungeschwächte Personen können sie lebensbedrohlich sein.
Daher ist es essenziell: Alle Lebensmittel, die in Kontakt mit Rattenkot oder -urin geraten könnten, sind sofort zu entsorgen – auch wenn keine sichtbare Verschmutzung erkennbar ist.
Rattenfleckfieber (Rattenbissfieber)
Rattenbissfieber wird durch zwei verschiedene Bakterien verursacht: Streptobacillus moniliformis (in Europa häufiger) und Spirillum minus (in Asien). Die Übertragung erfolgt durch Rattenbisskratz- oder über kontaminierte Lebensmittel. Symptome sind Fieber, Hautausschlag und Gelenkschwellungen. Die Erkrankung ist mit Antibiotika gut behandelbar, kann aber unbehandelt zu ernsthaften Komplikationen führen.
Pest – historische Bedrohung, heutiges Restrisiko
Die Pest (Yersinia pestis) ist historisch gesehen die bekannteste durch Ratten übertragene Seuche. In Europa ist die Pest heute praktisch ausgerottet – aber sie existiert noch in Teilen Afrikas, Asiens und Nordamerikas. Übertragen wurde und wird sie nicht direkt durch die Ratte, sondern durch Rattenflöhe, die nach dem Tod der Ratte auf Menschen übergehen. Der beste Schutz: kein Kontakt mit wildlebenden Nagetieren und toten Tieren.
Toxoplasmose
Ratten können Toxoplasma gondii beherbergen und als Zwischenwirt fungieren. Eine Übertragung auf Menschen durch direkten Rattenkontakt ist selten, aber möglich. Gefährlich ist Toxoplasmose vor allem für Schwangere (Risiko von Fehlgeburten oder Schäden beim Ungeborenen) und immungeschwächte Personen.
Wann müssen Sie sofort zum Arzt?
Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie nach Kontakt mit Ratten oder rattenkontaminierten Bereichen folgende Symptome entwickeln:
- Hohes Fieber (über 38,5 °C), das nicht abnimmt
- Starke Muskelschmerzen, vor allem in den Waden
- Gelbfärbung der Haut oder Augen (Leptospirose-Verdacht)
- Stark vermindertes Wasserlassen oder Nierenprobleme (Hantavirus-Verdacht)
- Rötung, Schwellung oder Eiter nach einem Rattenbiss
Informieren Sie Ihren Arzt unbedingt über den möglichen Kontakt mit Ratten – das erleichtert die korrekte Diagnose erheblich.
Schutzmaßnahmen bei der Reinigung nach Rattenbefall
Wenn Sie befallene Bereiche selbst reinigen müssen, gilt: niemals trocken kehren. Das wirbelt Hantaviren und andere Erreger auf. Befeuchten Sie Kot und Nester vorher mit einem Desinfektionsmittel, tragen Sie FFP2-Maske, Einweghandschuhe und schützende Kleidung. Entsorgen Sie alles in versiegelten Plastikbeuteln.