Warum die Artbestimmung entscheidend ist
Schaben sind nicht gleich Schaben. Die Deutsche Schabe ist ein Wärmespezialist – sie sitzt hinter dem Herd. Die Orientalische Schabe liebt feuchte Keller. Die Amerikanische Schabe findet sich eher in Heizungskellern und Kanalschächten. Ein professioneller Kammerjäger wählt seine Bekämpfungsstrategie immer artspezifisch – und Sie können mit dem Wissen aus diesem Artikel schneller den richtigen Ansprechpartner kontaktieren.
Art 1: Deutsche Schabe (Blattella germanica)
Erkennungsmerkmale:
- Körperlänge 10–15 mm
- Hellbraune Grundfarbe
- Zwei parallele, dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild (Pronotum) – sehr charakteristisch
- Beide Geschlechter besitzen Flügel, fliegen aber kaum
- Sehr flinke Bewegungen, flieht schnell ins Dunkel
Verbreitung und Lebensraum: Kosmopolit; in Deutschland mit Abstand die häufigste Innenschabe. Bevorzugt warme, feuchte Bereiche nahe Nahrungsquellen: Küchen, Kantinen, Gastronomie, Bäckereien, Lebensmittelverarbeitung. Versteckt sich in Gerätewärme (Kaffeeautomaten, Herde, Spülmaschinen).
Besonderheiten: Weibchen trägt die Eikapsel (Oothecke) mit sich – bis zu 30–40 Eier pro Kapsel. Entwicklungszeit vom Ei zur Imago ca. 60–100 Tage. Entwickelt schnell Insektizidresistenzen.
Art 2: Orientalische Schabe (Blatta orientalis)
Erkennungsmerkmale:
- Körperlänge 20–27 mm (deutlich größer als Deutsche Schabe)
- Dunkelbraun bis schwarz, stark glänzend
- Weibchen: flügellos oder mit sehr kleinen Flügelstummeln
- Männchen: mit Flügeln, die etwa zwei Drittel des Hinterleibs bedecken, aber nicht flugtauglich
- Bewegungen langsamer als Deutsche Schabe
Verbreitung und Lebensraum: Bevorzugt kühle, feuchte und dunkle Bereiche: Keller, Müllschächte, Abwasserleitungen, feuchte Lagerräume. In Mehrfamilienhäusern häufig in Kellergeschossen. Kann auch im Freien überleben (milder Süden).
Besonderheiten: Produziert besonders intensiven, charakteristischen Geruch. Eikapsel wird nach kurzer Tragezeit in Nistmaterial eingebettet – ca. 16 Eier pro Kapsel. Langsamere Vermehrung als Deutsche Schabe.
Art 3: Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)
Erkennungsmerkmale:
- Körperlänge 35–40 mm – größte häufig anzutreffende Schabenart in Deutschland
- Rotbraune Grundfarbe
- Charakteristisch: helles, gelbliches Band am Rand des Halsschilds (wie eine Maske)
- Beide Geschlechter vollständig beflügelt; kann kurze Strecken fliegen
- Sehr schnell und agil
Verbreitung und Lebensraum: Wärme- und feuchtigkeitsliebend; in Deutschland vor allem in Heizungskellern, Kanalschächten, Treibhäusern, Großküchen und Häfen. Dringt oft über Kanalisation in Gebäude ein.
Besonderheiten: Einzelne Weibchen können bis zu 800 Eier in ihrem Leben legen. Lebt bis zu 1–2 Jahre – deutlich länger als andere Schabenarten. In kühlen Gebieten auf beheizte Innenräume angewiesen.
Art 4: Braunkopfschabe (Supella longipalpa)
Erkennungsmerkmale:
- Körperlänge 10–14 mm – ähnlich groß wie Deutsche Schabe
- Hellbraun bis gelbbraun
- Zwei helle Querbinden auf dem Hinterleib – daher auch „Streifenschabe" genannt
- Im Gegensatz zur Deutschen Schabe: Männchen flugtauglich
- Weibchen kürzer beflügelt
Verbreitung und Lebensraum: Seltener als die Deutsche Schabe, aber zunehmend verbreitet. Bevorzugt hohe Temperaturen (über 25 °C) und ist trockenheitstoleranter als andere Arten. Versteckt sich in elektrischen Geräten, Kühlschrankmotoren, Fernsehern – nicht nur in der Küche.
Besonderheiten: Besonders schwer zu bekämpfen, da sie höher gelegene Verstecke bevorzugt (Decke, Oberschränke), die bei Standard-Bekämpfungen oft übersehen werden. Eikapsel wird an Gegenständen festgeklebt.
Schnelle Bestimmungshilfe: Welche Schabe ist das?
- Klein (10–15 mm), hellbraun, zwei dunkle Längsstreifen: Deutsche Schabe
- Mittelgroß (20–27 mm), dunkelbraun bis schwarz, intensiver Geruch: Orientalische Schabe
- Groß (35–40 mm), rotbraun, helle Maske am Halsschild: Amerikanische Schabe
- Klein (10–14 mm), hellbraun, zwei helle Querbinden am Hinterleib: Braunkopfschabe