Wespenarten in Deutschland: Bestimmung, Verhalten & Unterschiede

In Deutschland leben über 700 Wespenarten – aber nur wenige kommen häufig mit Menschen in Konflikt. Hier finden Sie Steckbriefe der wichtigsten sozialen Wespenarten mit Erkennungsmerkmalen, typischen Neststandorten, Koloniegrößen und ehrlicher Einschätzung des Aggressionsgrades.

Warum die Artbestimmung wichtig ist

Je nach Wespenart unterscheiden sich Nestgröße, Neststandort, Aggressivität und – entscheidend – der rechtliche Schutzstatus. Hornissen sind streng geschützt (§44 BNatSchG), während andere soziale Wespen nur unter allgemeinem Schutz stehen. Die Artkenntnis bestimmt, welche Maßnahmen erlaubt und sinnvoll sind.

Art 1: Deutsche Wespe (Vespula germanica)

  • Körperlänge: Arbeiterinnen 12–15 mm, Königin bis 20 mm
  • Erkennungsmerkmale: Klassisches schwarz-gelbes Muster; charakteristisch sind drei schwarze Punkte auf dem Gesichtsschild (im Gegensatz zur Gemeinen Wespe, die meist einen Anker hat)
  • Neststandort: Bevorzugt unterirdisch in verlassenen Mäuse- und Maulwurfsgängen; auch in Dachböden, Hohlwänden und Rollladenkästen
  • Koloniegröße: 3.000–8.000 Tiere im Hochsommer
  • Aggressionsgrad: Mittel bis hoch – besonders im Spätsommer (August/September), wenn die Kolonie ihren Höhepunkt erreicht und Nahrung knapper wird
  • Besonderheit: Neben der Gemeinen Wespe die häufigste "Lästige" bei Mahlzeiten im Freien

Art 2: Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)

  • Körperlänge: Arbeiterinnen 11–14 mm, Königin bis 19 mm
  • Erkennungsmerkmale: Sehr ähnlich der Deutschen Wespe; Gesichtsschild zeigt typischerweise ein ankerförmiges schwarzes Muster (nicht drei Punkte); Unterscheidung für Laien kaum möglich
  • Neststandort: Ähnlich wie Deutsche Wespe; häufig unterirdisch, aber auch in Gebäudehohlräumen
  • Koloniegröße: 3.000–7.000 Tiere
  • Aggressionsgrad: Mittel bis hoch – verhält sich sehr ähnlich wie die Deutsche Wespe
  • Besonderheit: Deutsche und Gemeine Wespe werden im Volksmund oft unter "Wespe" zusammengefasst und sind in der Praxis die häufigsten Konfliktarten

Art 3: Hornisse (Vespa crabro)

  • Körperlänge: Arbeiterinnen 18–25 mm, Königin bis 35 mm – deutlich größter sozialer Hymenopter Deutschlands
  • Erkennungsmerkmale: Rotbraun-gelb statt schwarz-gelb; großer Kopf; Flügel größer und gleichmäßig braun getönt
  • Neststandort: Bevorzugt in Baumhöhlen; auch in Scheunen, Vogelkästen, Dachböden und Rollladenkästen
  • Koloniegröße: 200–700 Tiere – deutlich kleiner als Wespenvölker
  • Aggressionsgrad: Gering bis mittel – Hornissen sind erheblich weniger aggressiv als ihr Ruf; sie stechen nur zur direkten Nestverteidigung bei Annäherung unter ~50 cm
  • Rechtsstatus: Streng geschützt nach §44 BNatSchG – keine Entfernung ohne Genehmigung
  • Besonderheit: Hornissenstich ist nicht gefährlicher als Wespenstich; der größere Stachel macht ihn jedoch schmerzhafter

Art 4: Feldwespe (Polistes dominula / gallicus)

  • Körperlänge: 12–15 mm; schlanker gebaut als Vespula-Arten mit deutlich erkennbarem "Wespentaille"
  • Erkennungsmerkmale: Schlanker, langgestreckter Körper; lange, hängende Hinterbeine im Flug sichtbar; gelb-braun bis gelb-schwarz
  • Neststandort: Offene, gestielte Waben ohne Hülle – typisch unter Dachvorsprüngen, an Fensterbänken, auf Rankpflanzen
  • Koloniegröße: Sehr klein – 20–100 Tiere; die kleinste soziale Wespenkolonie in Deutschland
  • Aggressionsgrad: Gering – Feldwespen sind friedlich und stechen selten; die kleine Kolonie hat wenig Verteidigungsaufwand
  • Besonderheit: Wegen der kleinen Koloniegröße oft tolerierbar; die offene Wabenstruktur ohne Hülle ist ein sicheres Erkennungsmerkmal

Art 5: Mittlere Wespe (Dolichovespula media)

  • Körperlänge: Arbeiterinnen 14–18 mm – zwischen Vespula-Arten und Hornisse
  • Erkennungsmerkmale: Schwarze und gelbe Bänder; Gesicht überwiegend gelb; Größe zwischen typischer Wespe und Hornisse – wird oft fälschlich für eine Hornisse gehalten
  • Neststandort: Bevorzugt freiluft-hängende Nester in Büschen, Hecken und Bäumen; auch unter Dachvorsprüngen
  • Koloniegröße: 500–2.000 Tiere
  • Aggressionsgrad: Mittel – verteidigt das Nest, aber weniger hartnäckig als Deutsche oder Gemeine Wespe
  • Besonderheit: Wegen ihrer Größe häufig mit Hornissen verwechselt – das Nest (umhüllt, nicht in Baumhöhle) und die Farbe (mehr gelb, weniger rotbraun) helfen bei der Unterscheidung
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Schnelle Bestimmungstabelle

  • Klassisch schwarz-gelb, 12–15 mm, Nest unterirdisch oder im Gebäude: Deutsche oder Gemeine Wespe
  • Sehr klein, schlanker Körper, offenes Wabennest ohne Hülle: Feldwespe
  • Groß (18+ mm), rotbraun-gelb, Nest in Baumhöhle oder unter Dach: Hornisse
  • Mittelgroß (14–18 mm), vorwiegend gelb, freiluft-hängendes verhülltes Nest: Mittlere Wespe

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